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„Siegburg“ bei der Seehundfütterung auf hoher See

In See, 10.02.2015.
Das Hohlstablenkboot „Siegburg“ ist in der Ostsee unterwegs und die Seeroutine wird von einem herzhaften Geruch aus der Kombüse begleitet. Das Mittagessen an Bord kündigt sich an. Dann knackt die Lautsprecheranlage und der Kommandant meldet sich zu Wort: „Die Boomranger-Besatzung sich klar machen zur Seehundfütterung!“

Die Minenräumdrohne „Seehund“ kämpft sich durch die unruhige See.

Die Minenräumdrohne „Seehund“ kämpft sich durch die unruhige See (Quelle: 2014 Bundeswehr / Stefan Paulsen)Größere Abbildung anzeigen

Gäste und Unwissende an Bord könnten sich nun die Frage stellen, ob die Deutsche Marine neuerdings Haustiere an Bord hat? Der Besatzung der „Siegburg” ist jedoch vollkommen klar, was mit dieser Durchsage gemeint ist. Als „Seehunde“ werden die sogenannten Hohlstäbe – kleine Begleitboote zur Minenbeseitigung – bezeichnet. Sie können mit akustischen und magnetischen Mitteln Minen auslesen und sind den vier Hohlstablenkbooten (HL-Booten) der Marine zugeordnet.

Die „Siegburg“ ist gemeinsam mit zwei Seehunden im Einsatz. Diese „Tochter-Einheiten“ können dabei sowohl per Fern- als auch per Handsteuerung bedient werden und sind für das HL-Boot das wichtigste Instrument zur Minenräumung. Jetzt befinden sich gerade jeweils zwei Mann Besatzungen auf den Seehunden, die in den Seephasen von der „Siegburg” während der „Seehundfütterung“ mit dem Mittag versorgt werden.

Bei nahezu wolkenlosem Himmel bereiten sich drei Seehunde auf das RAS-Manöver vor.

Vorbereitung der „Seehundfütterung“ zu Mittag (Quelle: 2014 Bundeswehr / Stefan Paulsen)Größere Abbildung anzeigen

Bei den Seehunden an Bord

Innerhalb von wenigen Augenblicken wurden die „Seehunde“ vom Speedboot erreicht. Die von den Smuts, wie Köche an Bord genannt werden, vorbereiteten Verpflegungspakete wurden schnell und trocken zu den „Seehund“-Besatzungen gebracht. An Bord des „Seehundes 7“ freute man sich über das umfangreiche Lunchpaket. „Die Versorgung von der „Siegburg“ ist immer sehr gut“, bestätigen die Obermaate Patrick Ehrbacher und Pascal Mohr, die an diesem Tag die Besatzung des „Seehundes 7“ darstellen. Dies erfolgt jedoch bewusst. Schließlich sind die „Seehund“-Fahrer auf die Fremdversorgung durch das HL-Boot angewiesen und dort möchte man einfach sicherstellen, dass es den Kameraden während längerer Seephasen an nichts fehlt.

Die „Siegburg“ fährt einem „Seehund“ der voraus.

Der „Seehund 7“ ist immer an der Seite des Hohlstablenkbootes „Siegburg“ (Quelle: 2014 Bundeswehr / Stefan Paulsen)Größere Abbildung anzeigen

Der Dienstgrad spielt keine Rolle

Die beiden Unteroffiziere an Bord des „Seehundes“ sind ein eingespieltes Team. Sie zählen während des Manövers zu einem Personalpool von sieben Soldaten an Bord der „Siegburg”, die als „Seehund“-Bootsführer eingesetzt werden können. Voraussetzung ist jedoch der Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis für die „Seehunde“. Diese besteht aus dem regulären Kraftbootführerschein (vergleichbar mit dem Sportbootführerschein See) und einem praktischen Anteil, der u.a. zahlreiche Fahr- und Anlegemanöver enthält.

Am Ende entscheidet dann immer der Kommandant des zuständigen HL-Bootes, ob der Anwärter die Erlaubnis zum Führen eines „Seehundes“ erhält. Der Dienstgrad spielt hierfür keine Rolle. Auf der „Siegburg“ verteilt es sich beispielsweise vom Stabsgefreiten bis hin zum Oberbootsmann. Die Bootsführer eines Seehundes tragen eine hohe Verantwortung. Daher steht an erster Stelle hier nicht der Dienstgrad, sondern Fleiß, seemännische Erfahrung und Selbstständigkeit.

Außerdem muss immer mindestens ein Soldat der Verwendungsreihe „Schiffstechnik“ - ein sogenannter Heizer - mit an Bord sein. Durch die hohe Eigenständigkeit der „Seehunde“ in See ist selbstständiges Handeln nicht nur bei der Navigation von hoher Bedeutung. Auch technische Probleme und regelmäßige Kontrollen des Maschinenraumes können so vollkommen unabhängig von dem HL-Boot erfolgen.

Von der Brücke des „Seehundes“ schaut ein Obermaat auf die See.

Auf der Brücke des „Seehundes“ (Quelle: 2014 Bundeswehr / Stefan Paulsen)Größere Abbildung anzeigen

Der Einsatz zahlt sich aus

Als „Seehund“-Bootsführer hat man den Vorteil, dass man auch in einer relativ niedrigen Dienstgradgruppe viel Verantwortung übernehmen kann“, sagt Obermaat Ehrbacher. In diesem Fall ist die Verantwortung sogar in Zahlen zu belegen: Der „Seehund“ ist rund 25 Meter lang, 4,5 Meter breit und insgesamt rund 100 Tonnen schwer. Angesichts dieses Hintergrundes ist es verständlich, dass die Marine die Fahrerlaubnis zum Führen eines „Seehundes“ erst nach Ablegen einer Prüfung erteilt.

Dass sich der hierfür erforderliche Fleiß auszahlt, zeigt sich jedoch nicht nur in der Übernahme der großen Verantwortung. „Die Fahrerlaubnis gilt auch für zivile Boote “, hebt Obermaat Mohr einen weiteren Vorteil zum Erwerb der Fahrerlaubnis hervor. Schließlich kann der Kraftbootführerschein der Marine durch eine Umschreibung zum Sportführerschein See auch zivil anerkannt werden.


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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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