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„Das brennt sich in die Köpfe ein.“ Im Gespräch mit …

Flensburg, 24.03.2017.

… Fregattenkapitän Jürgen-Friedrich Jensen, Leiter der Ausbildungsausstattung Nautische Schiffsführung der Marineschule Mürwik. Er bildet seit mehreren Jahren die künftigen Wachoffiziere der Deutschen Marine in einem mehrstufigen Lehrgang aus.

Portrait von Fregattenkapitän Jürgen-Friedrich Jensen, Leiter der AANS.
Fregattenkapitän Jürgen-Friedrich Jensen ist Leiter der AANS an der Marineschüle Mürwik (Quelle: 2017 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Herr Fregattenkapitän, worauf bereitet der Wachoffizier-Lehrgang den Offiziersnachwuchs der Marine vor und welche Inhalte werden ihnen vermittelt?

Wir geben den jungen Offizieren die Möglichkeit, im Team auf der simulierten Brücke das zu üben, was sie in den letzten Wochen gelernt haben – sowohl in der theoretischen Ausbildung als auch an unseren „Schreibtischsimulatoren“. In diesem Teil der Ausbildung kommen nun die „Knöpfchenkunde“ und die Verfahren dazu, die wir den Schülern zuvor beigebracht haben. Sie müssen auf ihrer jeweiligen Position auf der Brücke alles anwenden können, ob als Navigator, Ausguck oder Wachoffizier.

In diese Dreier-Teams werden die jungen Offiziere eingeteilt. Was erwartet sie im Brückensimulator?

Die Besatzung der Brücken ist fest eingeteilt, und wir rotieren im Laufe des Lehrganges die einzelnen Arbeitspositionen: Wer also bei der vorher gelaufenen Übung Ausguck war, ist in dem nächsten Durchlauf zum Beispiel Wachoffizier und in der nächsten Übung Navigator. So bekommt jeder einmal mit, was sein Aufgabenbereich ist, um so zu merken, wie schwierig es ist, Arbeiten zu dirigieren, das Ergebnis dann einzufordern und diese Ergebnisse dann zu verarbeiteten und wieder in entsprechende Anweisungen umzusetzen. Und sie sollen die Verfahren sowie die Befehls- und Meldesprache kennenlernen, die in der Flotte üblich ist. Das soll sie darauf vorbereiten, wenn sie das erste Mal mit mehr Verantwortung wieder an Bord kommen.

Da die Praxis einen höheren Lerneffekt erzielen kann, könnte die Ausbildung doch auch auf einem Schiff oder Boot stattfinden. Warum wird das nicht gemacht?

Ausbildungszeiten sind kostbar geworden, weil die Marine ja zum Mehrbesatzungsmodell wechselt. Das heißt, die Schiffe verbleiben in den Einsatzgebieten und die Besatzungen werden zu ihnen gebracht – mit der Folge, dass die Crews keine Transitphasen mehr auf dem Weg in den Einsatz haben. Früher konnte man die Besatzungen während eines 14-tägigen Transits noch zusammen ausbilden, sie war ja Tag und Nacht an Bord. Damit die Ausbildung nicht zu kurz kommt, führen wir nun diese Art von Ausbildung durch. Wir können das Training an Bord nicht ersetzen, aber wir können Teile vorweg nehmen und damit die wirklich wichtigen Elemente, die nur an Bord ausgebildet werden können, unterstützen.

Sie haben nun schon den einen oder anderen Wachoffizier an der Ausbildungsausstattung Nautische Schiffsführung ausgebildet. Gab es da besondere Ereignisse, an die sie noch lange denken werden?

Heute hat eine Brückencrew eine Schiffskollision verursacht, die hier aber zum Glück folgenlos bleibt. Sie wissen, dass sie diesen Fehler nie wieder machen dürfen – und das brennt sich in die Köpfe ein. Grundsätzlich sind die Erlebnisse aber sehr ähnlich, von Lehrgang zu Lehrgang. Die jungen Offiziere finden diese Ausbildung immer wieder ganz großartig. Sie bekommen den direkten Bezug zu ihrem Beruf, den sie seit sechs Jahren formell schon haben. Die meisten stehen in ihrem sechsten oder siebten Dienstjahr, sind aber schon lange nicht mehr zur See gefahren. Wir erleben es immer wieder am Ende unseres Lehrgangs, dass die Schüler mehr Ausbildung im Simulator haben wollen.

Wenn ich Wachoffizier bei der Marine werden möchte, welche Lehrgänge brauche ich dafür?

Die Offizieranwärter werden ein Jahr in verschiedenen Grundfertigkeiten ausgebildet, darunter die allgemeine Grundausbildung und die seemännische Grundausbildung auf der „Gorch Fock“. Dann folgt das Studium. In der Zeit hat man mit der Marine nur wenig zu tun, da steht anderes an erster Stelle. Die meisten Studienfächer sind auch nicht seefahrtsbezogen, es sind Fächer wie Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik oder Wirtschaftswissenschaften. Wenige studieren Nautik, und das auch nicht an Bundeswehruniversitäten, sondern an zivilen Fachhochschulen. Nach dem Studium kommen die jungen Offiziere dann „zurück“ zur Marine und belegen Lehrgänge, die für die weitere Verwendung notwendig sind.

Den Wachoffizierlehrgang müssen allerdings alle machen. Und wenn die Wachoffizierschüler dann an Bord kommen, sind sie immer noch nicht fertig ausgebildet. Dann geht die praktische Ausbildung erst richtig los.


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Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


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