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Von der Hörsaalbank in die Nock
Leutnant zur See Heiko von Ditfurth

Flensburg, 17.12.2015.

„Boje über Bord an Steuerbord-Seite“, diese Worte lösen im Kopf eines Wachoffiziers eine Kettenreaktion aus. Um genau diese Kettenreaktion im Schlaf zu beherrschen, gibt es den Wachoffizierslehrgang. Damit die Marineoffiziere handlungssicher werden, hatten sie vom 8. bis 11. Dezember die Gelegenheit zum praktischen Üben.

Wachoffizierschüler beim Peilen an Bord der „Herten“.
Wachoffizierschüler beim Peilen an Bord der „Herten“ (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Befehl laut wiederholen, Ausguck anweisen, Wind einschätzen, Manöver überlegen, Ruder legen lassen. Dabei stets das Verhalten des eigenen Bootes bedenken und schnell dafür sorgen, dass die Boje gefischt werden kann. An all das muss ein Wachoffizier (WO) auf einer seegehenden Einheit denken.

Das letzte Mal, dass ich dieses Manöver live und nicht im Simulator gefahren bin, ist fünf Jahre her und mit einem deutlich kleineren Boot. Als dieses Mal der Ausruf draußen aus der Nock in die Brücke schallte, hatte ich die Verantwortung über 54,5 Meter Länge und bis zu 5.550 PS Standardleistung – dem Minenjagdboot „Herten“.

Üben in der Realität

WO-Schüler bei der Nautical Exercise auf dem Minenjagdboot „Herten“.
Üben in der Realität bei der Nautical Exercise (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Zwei Tage vorher ging es abends für mich, als Teil des Hörsaals 19b, in Flensburg an Bord der „Herten“. Neben der „Herten“ hatten wir das Minenjagdboot „Pegnitz“ und das Schnellboot „Frettchen“ zum Üben vor Ort . Nach langer Zeit durften wir, 19 WO-Schüler, für 43 Stunden wieder auf eine schwimmende Einheit der Marine. Der Grund: Die Nautical Exercise (NAUTEX). Sie ist Tradition am Ende des Wachoffizierlehrgangs an der Marineschule Mürwik und dient den angehenden Wachoffizieren der Marine als erste praktische Übung in der Realität.

In den vorherigen zehn Wochen, des insgesamt dreimonatigen Lehrgangs, hatten wir das notwendige navigatorische Handwerk erlernt, um die Brücke sicher durch Gewässer zu fahren. Der notwendige theoretische Stoff wurde zusätzlich von Übungen in den hauseigenen Schiffsimulatoren begleitet.

Doch um dem Spruch „Erfahren kommt von fahren.“ gerecht zu werden, führte die Marineschule Mürwik vor einiger Zeit die NAUTEX ein.

Führungsqualität in See

Erstmals konnten wir das zuvor Erlernte praktisch anwenden. Dabei ging es nicht nur um die simple Wiedergabe des Stoffs, sondern auch um Führungsqualitäten auf der Brücke: Deutliche Befehle, Informationsmanagement oder der klare Kopf trotz wenig Schlaf. Schließlich waren die anderen Schiffe auf der Ostsee dieses Mal nicht nur simuliert, sondern real.

Vor Neustadt in Holstein durften wir dann nach dem Transit – bewaffnet mit Stoppuhr und Peildiopter – die zuvor im Unterrichtsraum geplanten Umläufe fahren und dadurch die einfachste Art der Navigation üben: mit Peilobjekten und Fahrtzeiten. War vor wenigen Monaten noch das wissenschaftliche Arbeiten an den Universitäten der Bundeswehr gefragt, galt es nun als Offizier Verantwortung zu übernehmen. Als doppelter Boden dienten erfahrene WO's der Besatzung, die als sogenannte „Backseater“ mögliche Fehler korrigierten und uns nützliche Tipps und Tricks gaben. Zusätzlich verbesserten wir die eigenen Fähigkeiten in der Navigation, am Radar oder auch als Rudergänger. Denn selbst letzteres sollte ein Wachoffizier einmal selbst erlebt haben, um die eigene Einheit besser einschätzen zu können. Hinzu kam die Wetterkunde, um einschätzen zu können, wie sich die Verhältnisse in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln.

Am Ende zeigte sich, was vorher im Lehrgang öfter wiederholt wurde. Das Wichtigste ist und bleibt der Blick aus dem Fenster, zusammen mit der Unterstützung der eigenen Mannschaft.


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Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


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