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Marinesoldaten üben für den Ernstfall

Parow, 13.11.2017.

66 Marinesoldaten der Marinetechnikschule (MTS) Parow übten zum Abschluss ihrer Ausbildung ein Einsatzszenario auf See. Dabei mussten sie Straßensperren errichten, Hafeneingänge sichern und auf Feuer- und Wassereinbruch richtig reagieren. Alles unter den wachsamen Augen der militärischen Prüfer.

Ein Soldat hält Wache mit einem Maschinengewehr.
Ein Lehrgangsteilnehmer ist als Alarmposten während der Übung eigesetzt. (Quelle: Eckhard Witt)Größere Abbildung anzeigen

In See. Ein Plötzlicher Ruck durchzieht das Marineschiff. Die Fahrgeschwindigkeit nimmt im nächsten Moment deutlich ab. Einige Sekunden später ertönt die Durchsage über die Bordlautsprecher: „Maschinenschaden am Motor – vorbereiten zum Einlaufen in den nächsten Hafen.“

Was in diesem Moment bedrohlich erscheint, war Teil der militärischen Ausbildung an der Marine Technikschule in Parow. Die Lehrgangsteilnehmer sollen zum Ende ihrer Ausbildung auf ein Einsatzszenario in See vorbereitet werden. Dazu wurde der Bootshafen der MTS, inklusive des ehemaligen Hohlstablenkbootes „Ensdorf“, in einen ausländischen, mit verschärfter Sicherheitslage, befindlichen Hafen umgewandelt. Hauptbootsmann Thomas Neumann, verantwortlicher Leiter der Übung, erklärt: „Die Einsatzübung beinhaltet den letzten Abschnitt der sechswöchigen Ausbildung. Die Teilnehmer sollen das Erlernte richtig anwenden.“

Das äußere Gefecht wird geübt

Bewaffnete Soldaten sichern ein Hafengelände mit Straßensperren und Stacheldraht.
Die Lehrgangsteilnehmer sichern das Hafengelände mit Straßensperren und Hindernisse im sogenannten Checkpoint. (Quelle: Eckhard Witt)Größere Abbildung anzeigen

Die angehenden Seeleute der Marine befinden sich jetzt im Dauerstress. Das Schiff muss gesichert, Straßensperren errichtet und das gesamte Hafengelände beobachtet werden. Gerade in ausländischen Häfen mit gefährlicher Einsatzlage ist die Sicherung des eigenen Schiffes von großer Bedeutung. Gefreiter Niclas-Arne Saul, Lehrgangsteilnehmer der Übung, übernimmt während des Einsatzes die Überwachung der Hafeneingänge. Dazu hat der 23-jährige seinen Beobachtungspunkt auf dem Fahrerhaus eines LKW`s bezogen. „Von hier aus beobachte ich Personen und Fahrzeuge die sich verdächtig unserem Schiff nähern und melde das an meine Vorgesetzten weiter.“ Geübt und überprüft werden dabei das richtige Anlegen der schusssicheren Weste und die Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen beim Umgang mit Schusswaffen. „Die Weste schränkt meine Bewegungsfreiheit schon ein bisschen ein. Aber die Übung macht Spaß und ich habe schon viel dazu gelernt“, ergänzt der Marinesoldat.

Ein wichtiger Punkt während der Übung ist für Hauptbootsmann Neumann die Kommunikation. Durch Sperrungen des Hafengeländes gelangen viele einheimische Fischer nicht mehr zu ihren Booten. Dadurch erleiden sie Verdienstausfall und Wut macht sich breit. „Hier möchten wir eine klare Kommunikation zwischen den Lehrgangsteilnehmern und der Bevölkerung sehen. Nur so lassen sich Aggressivität und Gewalt eindämmen“, berichtet der erfahrene Ausbilder.

Im Inneren des Schiffes brodelt es

Ein Soldat in Feuerschutzausrüstung bekämpft mit einem Feuerlöscher die Flammen.
Feuer im Schiff. Die ausgebildeten Brandschutzsoldaten gehen gegen das Feuer vor. (Quelle: Eckhard Witt)Größere Abbildung anzeigen

Doch nicht nur im äußeren Bereich des Schiffes geht es hoch her. Im Inneren ertönt plötzlich ein lauter Schrei: „Feuer in der Kombüse“. Jetzt gilt es für die Soldaten die Rettungskette auszulösen und richtig anzuwenden. Die ausgebildeten Brandbekämpfer eilen an ihre Stationen und legen den Brandschutzanzug an. Zielgerichtet kämpfen sich die Brandabwehrtrupps zum Feuer vor. Den Soldaten steht jetzt die Anstrengung und Belastung deutlich ins Gesicht geschrieben. Während der Brandbekämpfung spitzt sich die Lage weiter zu. Durch die Rauchgasentwicklung ist es zu einigen Verletzten unter der Besatzung gekommen. Bergen aus der Gefahrensituation, Kontrolle von Kreislauf und Atemwege und das Anlegen von Verbänden, sind die ersten Behandlungsmaßnahmen vor Ort. Dabei ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit an Bord des Schiffes eine große Herausforderung für die übenden Soldaten.

Gefreiter Celine Reupsch ist während der Übung im Leitstand als Informationsübermittlerin eingesetzt. Dabei muss sie alle neuen Situationen an die entsprechenden Stellen weiterleiten: „Die Aufgaben sind sehr fordernd, weil viele Informationen über die aktuelle Gefährdungslage des Schiffes auf einmal auflaufen.“

Sicherheit geht vor Schnelligkeit

Der Verlauf der Übung ist maßgeblich vom Verhalten der Lehrgangsteilnehmer abhängig. Funktionieren die Abläufe der Rettungsketten nicht oder verstoßen die Soldaten gegen Sicherheitsbestimmungen, „ können die einzelnen Lagen sehr lang und anstrengend sein“, ergänzt Hauptbootsmann Neumann. In einem sind sich alle Beteiligten einig: Es geht um Handlungssicherheit in gefährlichen Situationen. Die Schnelligkeit kommt mit der Erfahrung. Diese werden die künftigen Seefahrer in ihren Einsätzen auf den Schiffen der deutschen Marine ausreichend sammeln.


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Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


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