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Hintergrund: Seeminensprengen

Rostock, 10.09.2019.

Weltkriegsminen und andere historischen Kampfmittel unter Wasser zu zerstören, ist oft eine Güterabwägung. Maßgeblich soll das Sprengen Leben schützen und Seefahrt sicher machen.

Eine Grundmine am Meeresboden.
Unscheinbar liegen die Grundminen auf dem Meeresboden (Quelle: 2019 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

In deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee liegen noch etwa 1,6 Millionen Tonnen konventionelle Munition aus den beiden Weltkriegen. Vor allem Seeminen und Fliegerbomben verrotten seit Jahrzehnten unter Wasser. Einerseits sind die alten Sprengmittel eine Gefahr für die Schifffahrt, andererseits setzen sie Giftstoffe wie zum Beispiel Phosphor ins Meer frei.

Je länger diese „Altlasten“ dort liegen, desto gefährlicher werden sie. Dieser Fernseh-Beitrag von Radio Bremen beleuchtet die Zusammenhänge.

Wachsendes Risiko Altlasten

Unter dem stark frequentierten Seeverkehrsweg Kiel-Ostseeweg, gelegen in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone, waren jüngst solche Altlasten zu einer akuten, signifikant erhöhten Gefahr geworden. Nach einer Absprache des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lübeck mit der Deutschen Marine hat daher der NATO-Minenabwehrverband SNMCMG 1 Ende August nordwestlich von Fehmarn 42 britische Grundminen aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt.

Die Daueraufgabe der beiden Ständigen Minenabwehrverbände der NATO ist, die Identifizierung und Räumung von Unterwasser-Kampfmitteln zu trainieren. Sind die Minenjagdboote in Gebieten wie der Ostsee unterwegs, entfernen sie dabei regelmäßig Stück für Stück Hinterlassenschaften aus den Weltkriegen. Sie müssen ihre Fähigkeiten allerdings auch an modernen Kampfmitteln üben. Wie Minentaucher der Marine bei dieser gefährlichen Arbeit vorgehen, zeigt dieser Videobeitrag der Bundeswehr.

Michentaucher unter Wasser.

Zwang zur Gefahrenabwehr

Die jüngsten Funde vor Fehmarn nicht zu sprengen, hätte bedeutet, dass sich das erhebliche Gefährdungspotenzial für die Seeschifffahrt, das bereits bestand, noch weiter erhöht. Das akute Risiko hätte Leib und Leben aller, die sich im betroffenen Seegebiet aufhalten, jederzeit mit immer größerer Wahrscheinlichkeit bedroht. Angesichts dieser Gefährdungslage waren die beteiligten Behörden verpflichtet, diese Gefahr abzuwehren.

Kampfmittelräumdienste, Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter sowie die Deutsche Marine informieren sich regelmäßig gegenseitig über gefundene Altlasten, die sie anschließend dokumentieren, und stimmen sich über ein weiteres Vorgehen ab.

Maßnahmen zum Schutz der Meeresbewohner

Neben dem Einhalten der gesetzlichen Bestimmungen zum Räumen von Kampfmitteln legt die Marine großen Wert darauf, die Beeinträchtigung von Meeressäugern und anderen Lebewesen so gering wie möglich zu halten. Vor dem Sprengen der Minen vor Fehmarn hat die Marine – wie immer in solchen Fällen – Meeressäuger vergrämt.0

„Vergrämung“ vertreibt zum Beispiel Schweinswale, Delfine oder Robben mit nicht-schädlichen akustischen Methoden aus einem bestimmten Gebiet. Die Minenjagdboote der Marine nutzen dafür zum Beispiel ihr bordeigenes Unterwassertelefon. In manchen Fällen wird zudem durch einen Blasenschleier aus Druckluftschläuchen ein Schallschutz beziehungsweise eine Lärmdämpfung erreicht. Hierzu erzeugen die mit Ausblasdüsen versehenen Schläuche um die Sprengstelle herum einen Vorhang aus Luftblasen.

Jetzt unter dem Kiel-Ostseeweg konnte dieser Blasenschleier allerdings nicht mehr aufgebaut werden – die Gefährdung durch insbesondere den vorliegenden Minentyp war zu groß geworden. Grundsätzlich aber sollen die Sicherungsmaßnahmen bei nicht vermeidbaren Sprengungen einen größtmöglichen Schutz der Meeressäuger wie auch von Schutzgebieten generell gewährleisten.


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Stand vom: 12.09.2019 | Autor: 


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