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Historisch-Taktische Tagung der Marine über Spannungsfeld zwischen Konzeption und Realität

Dobbin-Linstow, 13.01.2017.
Auf Einladung von Vizeadmiral Rainer Brinkmann, Stellvertreter des Inspekteurs der Marine und Befehlshaber der Flotte und Unterstützungskräfte, fand vom 10. bis 12. Januar 2017 die 57. Historisch-Taktische Tagung der Marine (HiTaTa) statt. Rund 550 Marineoffiziere, Militärhistoriker und geladene Gäste waren zu dieser traditionsreichen Veranstaltung der Marine nach Dobbin-Linstow gekommen. Das diesjährige Generalthema lautete „Raison d'être und Realität – Die Marine im Spannungsfeld zwischen konzeptionellem Anspruch und operativem Ansatz“.

Vizeadmiral Rainer Brinkmann begrüßt die Gäste der diesjährigen HiTaTa.

Vizeadmiral Rainer Brinkmann begrüßt die Gäste der diesjährigen HiTaTa (Quelle: 2017 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Vor 60 Jahren fand die erste HiTaTa statt. Sie ist ein internes Gesprächsforum der Marine, in dem historische und aktuelle marinespezifische Themen anhand von Vorträgen junger Offiziere in anschließenden Aussprachen diskutiert werden. Ziel ist fachlicher Meinungsaustausch sowie Netzwerkpflege bzw. –aufbau.

Zu Beginn der Tagung übergab der Vorsitzende der Marine-Offizier-Vereinigung (MOV), Vizeadmiral a. D. Wolfgang E. Nolting, die von der MOV und der Marine-Offizier-Hilfe gestiftete Büste von Rolf Johannesson. Der Gründungsvater der HiTaTa diente als Konteradmiral in der Wehrmacht und dann in der Bundeswehr. Seine Büste wird künftig zusammen mit der von Korvettenkapitän Alfred Kranzfelder (hingerichteter Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944) und der von Admiral Dieter Wellershoff (1986 bis 1991 Generalinspekteur der Bundeswehr) in der Aula der Marineschule Mürwik stehen. Johannesson habe, so Nolting, die Bedeutung erkannt, aus der Geschichte und der Komplizenschaft der Wehrmacht mit dem nationalsozialistischen System zu lernen. Deshalb habe er in der jungen Bundesmarine die HiTaTa auch zur Aufarbeitung verbrecherischer Vergangenheit in der eigenen Waffengattung und als Mittel der Selbstverortung der Marineoffiziere begründet. Die Büste zwinge dazu, sich mit seiner gebrochenen Biografie aktiv auseinanderzusetzen.

Referentin: Kapitänleutnant Luisa Winkler

Referentin: Kapitänleutnant Luisa Winkler (Quelle: 2017 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Markus Grübel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Vereidigung, betonte in seinem Grußwort zur HiTaTa die Unentbehrlichkeit der Marine: „Es sieht nicht danach aus, dass die sicherheitspolitischen Bedrohungen zurückgehen.“

In den anschließenden Vorträgen beleuchteten junge Offiziere das Spannungsfeld zwischen Konzeptionen für Flotten und der Realität, wie diese dann eingesetzt wurden. Oberleutnant zur See Alexander Rascher (Marineoperationsschule) stellte den Tirpitzplan und die Realität der Seekriegsführung im 1. Weltkrieg vor, Oberleutnant zur See Tim Schwanbeck (Marinetechnikschule) die Situation in der Reichsmarine während der Weimarer Republik und in den ersten Jahren des Nationalsozialismus. Anschließend wurde die Bundesmarine zum Thema – von ihrem beschwerlichen Neubeginn (Kapitänleutnant Luisa Winkler, Fregatte „Lübeck“) bis zum Kalten Krieg der 80er Jahre (Oberleutnant zur See Florian Lobitz, BAAINBw). Oberleutnant zur See Thomas Seifert (Korvette 130 Besatzung „Charlie“) behandelte die Volksmarine der DDR und ihre Rolle im Warschauer Pakt (zu der in einem Debattenbeitrag auch deren letzter Chef, Vizeadmiral a.D. Hendrik Born, Stellung nahm). Ein Blick auf die Landes- und Bündnisverteidigung der Bundeswehr in den 80er Jahren (Kapitänleutnant Henning Jürgensen, Marineschule Mürwik) beendete die Fachvorträge.

Inspekteur der Marine bei seiner Abschlussrede.

Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, bei seiner Abschlussrede (Quelle: 2017 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Zum Abschluss der Tagung nahm der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, einen Ausblick auf die Schwerpunkte der Marine in den nächsten Jahren vor: „Erstmals seit 1990 wachsen deutsche Streitkräfte wieder!“ Neben der Priorisierung auf Einsätze, einsatzgleiche Verpflichtungen und Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung und Personalbindung rückte er unter anderem das neue Waffensystem Fregatte F 125, die Beschaffung weiterer Korvetten sowie den NH 90 NTHSea Lion“ in den Fokus. Der „Sea Lion“ hatte seinen Jungfernflug Anfang Dezember 2016 erfolgreich absolviert. Eine Auslieferung ist für 2019 avisiert. Zur neuen Fregattenklasse F 125 betonte Vizeadmiral Krause, dass die Marine damit erstmals ein Schiff in die Flotte übernehme, das ganz gezielt auf die in die Zukunft gerichteten neuen Betriebs- und Besatzungskonzepte ausgerichtet sei. „Mit der Trendwende Personal hat die Deutsche Marine die Möglichkeit, Dienstposten dort zu fordern, wo sie benötigt werden. Dies hätten wir vor einem Jahr noch nicht zu hoffen gewagt“, sagte der Inspekteur der Marine. Auch wies er auf den Erfolg der Personalwerbemaßnahme „Die Rekruten“ hin, durch die sich Millionen mit dem Dienst in der Deutschen Marine auseinandergesetzt hätten. „Die Rekruten“ ist in kürzester Zeit eine der erfolgreichsten Serien auf YouTube geworden.


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Stand vom: 07.12.17 | Autor: 


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