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Bordhubschrauber: Britische „Wildkatze“ an Bord

In See, 16.05.2017.
Seit April ist erstmals ein U-Jagd-Hubschrauber der Royal Navy auf einer Fregatte der Deutschen Marine integriert.

Die Soldaten auf dem Landedeck der „Lübeck“, bereitet sich auf die Landung des „Wildcat“ vor.

Die Soldaten auf dem Landedeck der „Lübeck“, bereitet sich auf die Landung des „Wildcat“ vor (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Eine Wildkatze an Bord eines deutschen Marineschiffs? Klingt seltsam, geht aber. Am 10. April flog sie ein: Ein Helikopter des Typs „Wildcat HMA Mk 2“ landete pünktlich um 14:56 Uhr auf dem Flugdeck der Fregatte „Lübeck“ im Englischen Kanal.

Die Crew des britischen Helikopters, bestehend aus Piloten, Copiloten und „Operator“ sowie den Technikern, ist nun Teil einer deutschen Besatzung. Insgesamt elf Personen quer durch alle Dienstgradgruppen. Das „Wildcat“-Team mit seinem Hubschrauber wird zunächst über den Zeitraum des German Operational Sea Training (GOST) von Anfang April bis Ende Mai in Plymouth an Bord bleiben.

Die britische „Wildcat“ vom Hersteller Agusta Westland ist bei der Royal Navy das Nachfolgemodell des „Sea Lynx“, den die Deutsche Marine als „Sea Lynx“ MK 88A seit 2000 als Bordhubschrauber verwendet. Rund vierzig Jahre nach dem „Lynx“ entwickelt, hatte die „Wildcat“ ihren Erstflug 2009 und wurde 2014 bei der Royal Navy in Dienst gestellt.

Ein guter Helikoptertausch will vorbereitet sein

Der britische Helikopter „Wildcat“ ist auf der Fregatte „Lübeck“ vor der englischen Norseeküste gelandet.

Der britische Helikopter „Wildcat“ ist pünktlich auf der Fregatte „Lübeck“ gelandet (Quelle: 2017 Bundeswehr )Größere Abbildung anzeigen

Die Planung für diese Einschiffung hatte bereits Mitte 2016 begonnen. Vertreter beider Marinen haben in mehreren Treffen rechtliche, organisatorische und technische Hürden geklärt. Im Vorfeld hatte zum Beispiel eine Begehung und Vermessung von Flugdeck und Hangar der „Lübeck“ stattgefunden, um zu prüfen, ob der Hubschrauber überhaupt auf einer Fregatte der „Bremen“-Klasse untergebracht werden kann. Auch individuell bereitete sich die britische Crew intensiv auf die Zusammenarbeit vor: sechs Monate Deutschkurs für alle – damit in der Kommunikation auch nichts schiefgeht.

Der Unterrichtserfolg schien fast schon zu gut, denn einige Übersetzungen klingen doch sehr wörtlich. Wie antwortete der englische Pilot auf die Frage, wie er und seine Crew sich fühlen? „Ich bin gut!“ Trotzdem: Die Kommunikation an Bord läuft inzwischen unkompliziert ab. Viel Deutsch, ein bisschen Englisch und ab und zu auch mal „Denglisch“. Und wenn dann mal ein Wort fehlt, kommen Hände und Füße zum Einsatz. Um der britischen Crew die Gewöhnung an den Alltag an Bord zu erleichtern, werden sämtliche Durchsagen der Schiffslautsprechanalage auch in Englisch wiederholt.

Die „Wildkatze“ ist auf der Fregatte „Lübeck“ gelandet.

Die „Wildkatze“ ist gelandet (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Anders als leichte sprachliche Hürden ähneln sich die deutschen und britischen Abläufe im alltäglichen Flugbetrieb nahezu komplett. Die Verfahren basieren in beiden Marinen auf NATO-Vorschriften, sei es zum Beispiel der technische Betrieb an Bord oder der Umgang mit einer eventuellen Notsituation des Hubschraubers. Um etwaige minimale Unterschiede zu erkennen und Feinheiten abzustimmen, übte die „Lübeck“ mit den britischen Marinefliegern eine Woche lang in See intensiv den Hubschrauberbetrieb von einer Fregatte aus.

„Diese Woche Übung vor dem GOST hat sich schon heute ausgezahlt“, meint der Kommandant der „Lübeck“, Fregattenkapitän Matthias Schmitt. „Wir haben ein tolles Team, auf das ich mich verlassen kann. Ich freue ich mich schon mit meiner deutsch-britischen Besatzung auf die kommenden sechs Ausbildungswochen in Plymouth.“

Vergleich „Wildcat“ und „Sea Lynx
Die Primäraufgabe beider Helikopter ist die Aufklärung und Bekämpfung von Ubooten mit Sonar und Torpedos. Daneben eignen sie sich aber auch für die Bewaffnung mit Anti-Schiff-Raketen oder Maschinengewehren, oder aber für den Transport von Material und Personen. Gegenüber dem „Lynx“ hat die „Wildcat“ einige Neuerungen: Leistungsfähigere Motoren mit besserer Wärmeableitung sind besser geeignet für den Betrieb in heißen Regionen. Ein neu gestalteter Heckausleger ermöglicht auch einen leistungsstärkeren Heckrotor. Der Rumpf hat mit seinem Diamantprofil bessere Stealth-Qualitäten, um den Hubschrauber vor Radar zu verstecken. Das neue Phased-Array-Radar macht es möglich, Ziele schneller besser zu verfolgen.
Technische Daten
Agusta Westland „Wildcat“
HMA Mk2
Westland „Sea Lynx“ Mk 88A
Länge (Rumpf +Rotor)15,2 m 15,2 m
Rotordurchmesser12,8 m 12,8 m
Höhe3,7 m3,7 m
Antriebsstärke2 x 1.015 KW2 x 835 KW
Höchstgeschwindigkeit311 km/h310 km/h
Reichweite770 km550 km
Abfluggewicht6,0 t5,1 t
Bewaffnung (wahlweise)2 Torpedo Sting Ray2 Torpedo Mk 46 bzw. MU 90
2 Wasserbomben keine
6 Seezielflugkörper geplant

keine

2 schwere 12,7 mm Maschinengewehre

1 schweres 12,7 mm Maschinengewehre


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Stand vom: 18.05.17 | Autor: 


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