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Die Kriegsmarine

Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erfolgte mit dem Wehrgesetz vom 21.5.1935 die Umbenennung der Reichsmarine in Kriegsmarine.

In der Folgezeit wurde ein erweiterter "Flottenumbau" und die Revision der Versailler Vertragsbedingungen angestrebt und vorangetrieben. Einen Schritt in diese Richtung bedeutete das deutsch-britische Flottenabkommen vom Juni 1935, das die Aufrüstung der deutschen Marine auf 35 Prozent derjenigen Englands beschränkte (für Uboote waren 45 Prozent vorgesehen), jedoch ebenfalls als Beleg für die Ernsthaftigkeit des Friedenswillens gegenüber England angesehen wurde. Nur drei Monate zuvor war bereits die "Wehrhoheit" des Deutschen Reiches verkündet worden, was vielen im In- und Ausland freilich als überfällige Selbstverständlichkeit galt. Gleichwohl wurde die fortlaufende, beschleunigte Aufrüstung Deutschlands (Vierjahresplan) im In- und Ausland als Kriegsvorbereitung erkannt.

Das Schlachtschiff Bismarck

Das Schlachtschiff Bismarck (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Die deutschen Operationspläne gingen bis 1938 von einem möglichen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich, Polen und die Sowjetunion aus. Bis zu dieser Zeit arbeitete die Kriegsmarine noch keine Kriegspläne gegen England aus, da man auf dessen wohlwollende Neutralität hoffte. Dies änderte sich mit dem sogenannten "Z-Plan" von 1939. Wurden nach 1935 unter anderem zwei Schlachtschiffe und Schwere Kreuzer, 16 Zerstörer sowie 26 Uboote auf Kiel gelegt, so sah der "Z-Plan" vor, eine schlagkräftige Seestreitmacht bis zum Jahre 1948 aufzubauen. Es war die Absicht, zehn Großkampfschiffe, drei Schlachtkreuzer, acht Panzerschiffe beziehungsweise Schwere Kreuzer, 44 Leichte Kreuzer, vier Flugzeugträger, 68 Zerstörer, 90 Torpedoboote und 249 Uboote zu erbauen. Dieser außerordentliche Umfang des "Z-Planes" deutete auf Ziele hin, die weit jenseits eines europäischen Krieges lagen. Eine ausschließlich defensive Ausrichtung der angestrebten Flotte ist nicht erkennbar.

Die Ausführung dieses "Z-Planes"wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1.9.1939 unterbrochen. Den Zustand der Marine bei Kriegsbeginn beschrieb Großadmiral Erich Raeder mit den Worten: "Was die Kriegsmarine anbetrifft, so ist sie selbstverständlich ... noch keineswegs für den großen Kampf mit England hinreichend gerüstet. Sie hat zwar in der kurzen Zeit seit 1935 (Flottenvertrag) eine gutausgebildete, zweckmäßig aufgebaute Ubootwaffe geschaffen, ... die aber trotzdem noch viel zu schwach ist, um ihrerseits kriegsentscheidend zu wirken. Die Überwasserstreitkräfte aber sind noch so gering an Zahl und Stärke gegenüber der englischen Flotte, dass sie - vollen Einsatz vorausgesetzt - nur zeigen können, dass sie mit Anstand zu sterben verstehen und damit die Grundlage für einen späteren Wiederaufbau zu schaffen gewillt sind ..." (Erich Raeder, 3. September 1939, in: Kriegstagebuch der Seekriegsleitung, Band 1, Seiten 15-E-17-E))

Wenn gleich im Verlauf des Krieges die Überwasserschiffe im Handelskrieg und gegen einzelne britische Kampfschiffe (britisches Schlachtschiff HOOD durch BISMARCK versenkt) sowie in einigen Operationen (zum Beispiel Weserübung [Besetzung Dänemarks und Norwegens], Berlin, Cerberus) Erfolge verbuchen konnten, so standen diesen doch erhebliche und folgenschwere Rückschläge (zum Beispiel Selbstversenkung ADMIRAL GRAF SPEE, Versenkung BLÜCHER, BISMARCK und SCHARNHORST) gegenüber. Wie bereits während des Ersten Weltkrieges, verlagerte sich der Schwerpunkt der Kriegführung zu einem Krieg der Uboote gegen Handelsschiffe mit beiderseitigen schweren Verlusten.

Lagen anfänglich die Hauptoperationsgebiete noch in der Nordsee, im Nord- und Südatlantik sowie im Indischen Ozean, so beschränkten sich seit 1943 die Unternehmungen der Kriegsmarine mit zunehmender Kriegsdauer und Überlegenheit der Alliierten auf die europäischen Küsten und schließlich auf das eigene Küstenvorfeld. Kurz vor Ende des Krieges transportierten Schiffe der Kriegs- und vor allem der Handelsmarine circa 2 Millionen Soldaten und zivile Flüchtlinge über die Ostsee (Operation Rettung). Der darauffolgenden bedingungslosen Kapitulation am 8.5.1945 folgte die Entmilitarisierung Deutschlands. Die Schiffe und Boote wurden an die Siegermächte ausgeliefert, das Personal entlassen. Allerdings fuhren für Minenräumaufgaben in europäischen Gewässern weiterhin geeignete Fahrzeuge mit deutschen Besatzungen unter Aufsicht der Siegermächte.

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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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