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Die Reichsmarine

Die Linienschiffe als Eisbrecher in der Ostsee 1928/29. Gemälde von Alex Kircher. Der Flaggenstreit in der Weimarer Republik wird in diesem Bild deutlich. Der Künstler hat in seiner Darstellung die in der Gösch der Kriegsflagge zu führenden Farben schwarz

Die Linienschiffe als Eisbrecher in der Ostsee (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Der Aufbau und der Umfang der Reichsmarine (seit 1921 offiziell so benannt) in der Weimarer Republik wurde von dem Zusammenbruch 1918 sowie dem Versailler Vertragswerk bestimmt. Durch letzteres zerschlugen sich sehr bald die anfänglichen Hoffnungen, die Marine könnte die älteren Großkampfschiffe und Kreuzer behalten. Dem Deutschen Reich verblieben sechs alte Linienschiffe, sechs Kleine Kreuzer und zwölf Torpedoboote bei einem Personalumfang von 15.000 Mann (Kaiserliche Marine circa 80.000 Mann). Luftfahrzeuge und Uboote waren verboten. Darüber hinaus waren Ersatzbauten auf 20 Jahre festgelegt. Das nach der Versenkung der Flotte in Scapa Flow und den Ablieferungen verbliebene veraltete Schiffsmaterial war praktisch ohne Kampfwert. Doch immerhin waren auch die Siegermächte daran interessiert, dass die deutsche Marine angesichts der unübersichtlichen Lage im Ostseeraum als gewisser stabilisierender Machtfaktor auftrat. Als vordringlichste Aufgabe sah die neue Admiralität die Erhaltung der Marine innenpolitisch zu rechtfertigen sowie auf lange Sicht die Beschränkungen des Versailler Vertrages zu revidieren. Weiterhin galt es, das "Trauma" von 1918 zu bewältigen.

Ein schwieriges Unterfangen, da das Seeoffizierkorps der Reichsmarine immer noch kaiserlich und wenig republikanisch ausgerichtet war, wie die Verstrickung hoher Offiziere in den Kapp-Lüttwitz-Putsch zeigte. "Immerhin gelang es der Marineleitung, bis 1928 - dem Jahr, in welchem auch der parlamentarische Untersuchungsbericht zu den Unruhen von 1917/18 abgeschlossen wurde-, die 'Erziehungsfragen in der Reichsmarine' zu beantworten und das Verhältnis zwischen Offizier und Matrose auf eine vernünftige Grundlage zu stellen." (Jörg Duppler) In einer Denkschrift vom 21. Juni 1920 begründete die Admiralität die Notwendigkeit auch einer kleinen deutschen Marine und formulierte vielfältige Aufgaben: Sicherung der Küste und der Hoheitsgewässer sowie der Seeverbindung mit Ostpreußen und Skandinavien, Minenräumaufgaben und Repräsentationsaufgaben. Abermals wurde die Bündnisfähigkeit betont.

Die nunmehrige Reichsmarine erhielt 1921 eine neue Kriegsflagge: Schwarz-Weiß-Rot, in der Mitte ein Eisernes Kreuz und in der linken oberen Ecke ein schwarz-rot-goldenes Rechteck (letzteres wurde 1933 entfernt). Im weiteren Verlauf wurde die Revision des Versailler Vertrages angestrebt, einerseits auf dem Wege legaler Ersatzbauten wie dem "pocket-battleship", dem "Panzerschiff A" (1928), welches lebhafte parlamentarische Auseinandersetzungen hervorrief, andererseits durch das bewusste Verstoßen gegen die Rüstungsbeschränkungen: Geheime Rüstungsmaßnahmen, zum Beispiel im Uboot-Bau, führten 1927 zum sogenannten Lohmann-Skandal, wodurch Reichsregierung und Reichsmarine heftig erschüttert wurden.


Das Panzerschiff Deutschland bei der Passage des Nord-Ostsee-Kanals.

Das Panzerschiff Deutschland (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Am 1. Oktober 1928 übernahm Vizeadmiral Erich Raeder als Chef die Marineleitung. Zu Beginn der nationalsozialistischen Machtübernahme war die Frage, ob man den Versailler Vertrag revidieren solle, längst beantwortet. Es ging nur noch darum, wie man den "Flottenumbau" ohne politischen Schaden bewerkstelligen könne. Diese Bestrebungen mündeten in konkrete Verhandlungen über ein deutsch-britisches Flottenabkommen ein, nach dem die deutsche Flotte einen Umfang von 35 Prozent der britischen und in Bezug auf Uboote sogar 45 Prozent annehmen durfte.

In diesem Zeitraum erfolgte mit dem Wehrgesetz vom 21. Mai 1935 die Umbenennung der Reichsmarine in Kriegsmarine. Dieses Gesetz stand im Zusammenhang mit der Verkündung der "Wehrhoheit" des Deutschen Reiches, was vielen im In- und Ausland freilich als überfällige Selbstverständlichkeit galt. Gleichwohl wurde die fortlaufende, beschleunigte Aufrüstung Deutschlands (Vierjahresplan) im In- und Ausland als Kriegsvorbereitung erkannt.

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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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