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Operation Weserübung

Einschiffung der deutscher Truppen

Einschiffung der deutscher Truppen (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Die Ursprünge der Operation Weserübung wurzelten in den Erfahrungen, die der Oberbefehlshaber der Marine Großadmiral Raeder, im ersten Weltkrieg durch die Fernblockade der Engländer gewonnen hatte. Ziel des OKM war es den Seekrieg im Atlantik zu führen und eine Fernblockade deutscher Häfen seitens der englischen Marine zu verhindern. Raeder hielt deutsche Stützpunkte an der norwegischen Küste für unerlässlich, um den Schiffen einen Durchbruch in den Atlantik zu ermöglichen. Ferner ging er davon aus, dass die Alliierten ihrerseits eine Invasion Norwegens planten, um die wichtigen Erzlieferungen, die aus Schweden über Norwegen nach Deutschland transportiert wurden, zu unterbinden. Um nun den Alliierten zuvorzukommen begann man auf deutscher Seite mit der Planung der Operation Weserübung.

Hierbei handelte es sich um die als "friedliche Invasion" Dänemarks und Norwegens geplante Besetzung beider Staaten. Die Aufbringung des deutschen Versorgers ALTMARK durch einen britischen
Zerstörer in norwegischen Hoheitsgewässern führte zu der Annahme, das Norwegen nicht in der Lage sei seine Neutralität zu waren und gab somit einen entscheidenden Anlass zur Realisierung der Operation Weserübung. Hitler, dem ein neutrales Norwegen zunächst nützlicher erschien als ein besetztes, ließ, nachdem man auf deutscher Seite erfuhr das die Engländer planten norwegische Hoheitsgewässer zu verminen, am 21.02.1940 einen Stab unter der Leitung von General von Falkenhorst zur Vorbereitung der Operation Weserübung aufstellen. Als Termin für den Beginn der Landungsoperation wurde der 09.04.1940 um 05:15 Uhr festgelegt. Geplant war die gleichzeitige Besetzung von Dänemark und Norwegen, da Dänemark schon allein aus Gründen des Nachschubtransports von immenser Bedeutung für einen Erfolg der Operation war.


Einschiffung der deutschen Truppen

Einschiffung der deutschen Truppen (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Die Kriegsmarine, die sie ihrer hoffnungslosen Unterlegenheit gegenüber der britischen wohl bewußt war hoffte dieses Manko durch den Vorteil der Überraschung wieder ausgleichen zu können. Die Operationsplanung sah vor in der ersten Phase die gegnerischen Stützpunkte überraschend zu besetzen, um dann in der zweiten Phase Truppen und Nachschub möglichst auch schon über die Eisenbahnverbindungen und Flugplätze in den besetzten Gebieten heranzuführen. Die Marine setzte für diese Operation die gesamten Überwasserstreitkräfte zum Truppentransport und einen Großteil der Uboote zur Sicherung ein, wobei Raeder einen Verlust von bis zu 50% der eigenen Flotte für realistisch hielt und einkalkulierte.

Am 03. April startete die Unternehmung Weserübung, am 04. und 05. April liefen bereits die ersten mit Kriegsmaterial beladenen Tanker und Frachtschiffe, welche als Kohlendampfer getarnt waren, mit Kurs auf Norwegen aus. Ab dem 06. April erfolgte die Einschiffung der Truppen und am 08. April befanden sich alle für Norwegen vorgesehenen Kriegsschiffe in See. Die Flotte wurde in 11 Gruppen mit jeweils verschiedenen Zielorten aufgeteilt, die alle am 9. April um 05:15 Uhr mit der Invasion beginnen sollten.

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Skizze - Weserübung Nord

Skizze - Weserübung Nord (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Norwegen

Gruppe 1: Narvik Schlachtschiffe GNEISENAU und SCHARNHORST Zerstörer Z21 WILHELM HEIDKAMP, Z2 GEORG THIELE, Z9 WOLFGANG ZENKER, Z11 BERND VON ARNIM, Z12 ERICH GIESE, Z13 ERICH KOELLNER, Z17 DIETHER VON ROEDER, Z18 HANS LÜDEMANN, Z19 HERMANN KÜNNE, Z22 ANTON SCHMITT circa 2000 Mann Landungstruppen Gruppe 2: Trondheim Schwerer Kreuzer ADMIRAL HIPPER Zerstörer Z5 PAUL JACOBI, Z6 THEODOR RIEDEL, Z8 BRUNO HEINEMANN, Z16 FRIEDRICH ECKHOLDT circa 1700 Mann Landungstruppen Gruppe 3: Bergen Leichte Kreuzer KÖLN und KÖNIGSBERG Artillerieschulschiff BREMSE Torpedoboote LEOPARD und WOLF 5 Schnellboote mit Begleitschiff KARL PETERS circa 900 Mann Landungstruppen Gruppe 4: Kristiansand und Arendal Leichter Kreuzer KARLSRUHE Torpedoboote LUCHS, GREIF und SEEADLER 7 Schnellboote mit Begleitschiff TSINGTAU circa 1400 Mann Landungstruppen Gruppe 5: Oslo Schwere Kreuzer BLÜCHER und LÜTZOW Leichter Kreuzer EMDEN Torpedoboote MÖWE, ALBATROS und KONDOR 8 Räumboote 2 Walfangboote Gruppe 6: Egersund 4 Minensuchboote

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Skizze - Weserübung Süd

Skizze - Weserübung Süd (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Dänemark

  • Gruppe 7: Nyborg, Korsör
    Linienschiff SCHLESWIG-HOLSTEIN
    3 Versuchsboote
    2 Transportdampfer
    2 Schlepper
  • Gruppe 8: Kopenhagen
    Minenschiff HANSESTADT DANZIG
    Eisbrecher STETTIN
  • Gruppe 9: Middelfahrt und Beltbrücke
    Dampfer RUGARD
    3 Minensuchboote
    2 Vorpostenboote
    2 Räumboote
    1 U-Jäger
    2 Schlepper
  • Gruppe 10: Esbjerg und Nordby
    1 Geleitboot
    5 Minensuchboote
    8 umgebaute Fischdampfer
    8 Räumbooten
  • Gruppe 11: Tyborön
    6 Minensuchboote
    2 Räumboote

Auf dem Verlegungsmarsch in die oben genannten Zielgebiete kam es zu zwei Zwischenfällen mit englischen Einheiten, welche aber sowohl auf englischer als auch auf norwegischer Seite nicht als Indiz für eine bevorstehende Invasion aufgefasst wurden. Bei dem ersten Vorfall handelte es sich um ein Gefecht zwischen dem englischen Zerstörer GLOWWORM und der BERND VON ARNIM, das sich am 8. April um 09:25 Uhr ereignete. Im Verlauf des Gefechts kam die ADMIRAL HIPPER dem deutschen Zerstörer zur Hilfe und versenkte die GLOWWORM schließlich durch einen Rammstoß, wobei auch sie einen Wassereinbruch von 528 t. hinnehmen musste. Zum zweiten Gefecht kam es am 9. April um 05:00 Uhr, als der engl. Schlachtkreuzer RENOWN bei schwerer See mit GNEISENAU und SCHARNHORST zusammentraf. Das Gefecht endete nach kurzer Zeit und unbedeutenden Treffern auf beiden Seiten als sich die Schiffe bedingt durch die schlechten Witterungsverhältnisse aus der Sicht verloren.

Die Besetzung Dänemarks (Weserübung Süd) verlief praktisch ohne jegliche Gegenwehr von dänischer Seite, was wohl einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg der Operation gewesen sein dürfte. Sie erfolgte durch Landungstruppen an den oben genannten Orten und durch Heerestruppen die von Avetoft und Krusau die Grenze in Richtung Norden überschritten und dabei auch nur auf geringen, unkoordinierten Widerstand trafen.

Auch die Luftwaffe war durch das Absetzen von Fallschirmjägern und durch bloßes Präsenz zeigen ein wichtiger Faktor bei der Operation Weserübung Süd, denn nicht zuletzt wurde die Annahme der deutschen Forderungen durch den dänischen König, mit der Androhung Bombergeschwader mit Ziel Kopenhagen in Marsch zu setzten, erreicht. Nachdem Dänemark nun kooperierte, konnten die dänischen Eisenbahnverbindungen und Flugplätze zum Transport von Versorgungsgütern für Norwegen genutzt werden und Weserübung Süd war erfolgreich abgeschlossen.


Die sinkende Blücher im Oslofjord

Die sinkende Blücher im Oslofjord (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Zur gleichen Zeit erlitten die deutschen Truppen in Norwegen größere Verluste, der Schwere Kreuzer BLÜCHER wurde in einer Engstelle des Oslofjordes von den Kanonen- und Torpedobatterien der Festung Oscarsborg unter Feuer genommen und versenkt. Die restlichen Einheiten der Gruppe 5 setzten ihre Landungstruppen südlich der Stadt Horten ab, um die Festung von Land aus zu erobern und dann weiter nach Oslo zu maschieren. Währenddessen hatten deutsche Luftlandetruppen die Stadt schon in ihre Gewalt gebracht, jedoch konnte der norwegische König noch in das nördlich liegende Hamar fliehen. Als man dem norwegischen Außenminister Prof. Dr. Koht das gleiche Ultimatum stellte wie dem dänischen König, lehnte dieser es mit den Worten: "Wir beugen uns freiwillig nicht, der Kampf ist bereits im Gange" ab.

An den anderen Landungsplätzen Norwegens erwartete die deutschen Einheiten nicht so starker Widerstand, vereinzelt kam es zu Kampfhandlungen mit Küstenpanzerschiffen oder befestigten Anlagen an Land, die aber meist ohne größere Verluste schnell niedergekämpft wurden. Am Abend des 9. April war die Operation Weserübung geglückt, Norwegen und Dänemark befanden sich nun in deutscher Hand und man hatte bis auf den Schweren Kreuzer BLÜCHER keine größeren Einheiten verloren.


Das Ende der Zerstörer in Narvik

Das Ende der Zerstörer in Narvik (Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Die eigentlichen großen Verluste erlitt die Marine erst bei der Rückführung ihrer Schiffe, da das Überraschungsmoment nicht mehr gegeben war und die englische Flotte zum Gegenschlag angesetzt hatte. Die KARLSRUHE wurde auf dem Rückmarsch durch das Uboot TRUANT torpediert, so dass sie von deutschen Einheiten versenkt werden musste. Der Schwere Kreuzer LÜTZOW wurde durch das Uboot SPEARFISH so schwer beschädigt, dass dieser für Monate in die Werft musste. Und die KÖNIGSBERG erlitt durch Trägerflugzeuge vor Bergen so starke Treffer, dass sie ausbrannte und sank.

Beim Angriff auf Narvik gelang es den britischen Einheiten alle zehn deutsche Zerstörer zu versenken, wobei diese den ersten Angriff noch abwehren und zwei englische Zerstörer versenken konnten, dem zweiten Angriff, der von dem Schlachtschiff WARSPITE und dem Flugzeugträger FURIOUS unterstützt wurde, hatten sie nichts mehr entgegenzusetzen. Die Verluste der deutschen Handelsschifffahrt durch Feindeinwirkung sind auf über 100 000 BRT beziffert.

Eine Besetzung Narviks durch englische Truppen gelang nur für kurze Zeit, und auch weitere englische Vorhaben Norwegen zu besetzen, mussten aufgrund des Drucks den Deutschland an der Westfront auf England und Frankreich ausübte, aufgegeben werden.

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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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