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Hintergrundwissen

Wilhelmshaven an der Nordsee: der größte Stützpunkt der Marine blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Aber auch in der Gegenwart bleiben Veränderungen nicht aus. Der Marinehafen und die dort beheimatete Einsatzflottille 2 passen sich der Entwicklung der Marine an.

Wilhelmshaven und die 4. Einfahrt

Die Fregatte „Hessen“ und „Mecklenburg-Vorpommern“ im Mittelmeer.

Fregatten in See (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Dirk Jacobus)Größere Abbildung anzeigen

Am 20. Juli 1853 erwarb Preußen durch den ‚Jade-Vertrag‘ vom Großherzogtum Oldenburg ein ca. 310 Hektar großes Gebiet am Jadebusen, um dort für seine Marine einen Hafen an der Nordsee zu bauen. Es wurde zur zeitweilig größten Baustelle Europas, und am 17. Juni 1869 erhielt das ‚Preußische Jadegebiet‘ mit Einweihung von Hafen und Schleuse vom preußischen König Wilhelm den Namen ‚Wilhelmshaven‘. Im Verlaufe seiner Geschichte hat die Stadt den Bau von insgesamt vier Hafeneinfahrten erlebt.

Nach Gründung der Bundeswehr wurde 1957 mit dem Wiederaufbau der nach dem Zweiten Weltkrieg gesprengten großen Seeschleuse von 1942 begonnen. In deren Vorhafen entstand ab 1964 der neue Marinestützpunkt als offener, tideabhängiger Hafen und als mittlerweile 4. Hafeneinfahrt mit schleusenunabhängigen Liegeplätzen und einer Pierlänge von vier Kilometern. Im August 1968 wurde er als bis heute größter deutscher Marinestützpunkt seiner Bestimmung übergeben. Heute ist Wilhelmshaven Heimat der ‚Dickschiffe‘, der Fregatten und Versorgungseinheiten der Einsatzflottille 2, und mittlerweile größter Standort der Bundeswehr, der auch das Logistikzentrum der Bundeswehr beherbergt. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich neben der Marine aber auch neue Wirtschaftszweige in der Stadt entwickelt: Hafenwirtschaft, namentlich der neue Jade-Weser-Port, Deutschlands einziger Tiefwasser-Containerhafen, Chemie- und Energieindustrie, Wissenschaft, Forschung und Tourismus.

Entstehung der Einsatzflottille 2

Die Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven ist im Jahre 2006 aus der Zerstörerflottille hervorgegangen, die ihrerseits am 1. April 1958 als Kommando der Zerstörer in Bremerhaven aufgestellt wurde und die im Verlauf ihrer Geschichte die Zerstörer der Marine („Fletcher“-, „Hamburg“- und „Lütjens“-Klasse), die Geleitboote und späteren Fregatten der „Köln“-Klasse, die Torpedofang- und späteren U-Jagdboote der „Thetis“-Klasse sowie schließlich die Fregatten der „Bremen“-, „Brandenburg“- und „Sachsen“- Klasse umfasste. 1994 wurden zusätzlich die Aufgaben der Versorgungsflottille übernommen und im April 1996 alle Einheiten des ehemaligen 1. sowie 2. Versorgungsgeschwaders als Trossgeschwader in die Zerstörerflottille integriert.

In den Jahren 2012 und 2013 wurde im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr das bis dahin dem Marineamt unterstellte Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven der Einsatzflottille 2 zugeteilt, die selbst in eine neue Struktur überging: Nunmehr sind die drei Geschwader der Flottille, das 2. und 4. Fregattengeschwader sowie das Trossgeschwader, der Einsatzstab und das Marinestützpunktkommando dem Flottillenkommandeur sowie die vier Abteilungen des Stabes (Grundsatz Operation, Auswertung/ Weiterentwicklung, Informationsmanagement/ Führungsunterstützung sowie Operation) dem Chef des Stabes der Einsatzflottille 2 unterstellt.

LÜBECK, Dhau und Speedboot beim Boarding.

LÜBECK, Dhau und Speedboot (Quelle: © 2012 Bundeswehr / einsatz.bundeswehr.de)Größere Abbildung anzeigen

Auftrag der Einsatzflottille 2

Unter dem Dach der Einsatzflottille 2 sind 12 moderne Fregatten und 10 Versorgungs- und Unterstützungseinheiten der Marine beheimatet. Diese ‚Arbeitspferde‘ der Marine tragen mit ihren Besatzungen einen Großteil der maritimen Einsätze der Bundeswehr. Die Sicherung der Seewege ist für die Bundesrepublik Deutschland als rohstoffarme und exportorientierte Wirtschaftsnation von existentiellem Interesse. Über 80 Prozent des Außenhandels werden über die Meere abgewickelt. Die Schiffe der Einsatzflottille 2 besitzen weitreichende Fähigkeiten, um die freie und ungehinderte Nutzung der See zu gewährleisten. Beispielhaft sei der Kampf gegen den internationalen Terrorismus im Mittelmeer und gegen die Piraterie am Horn von Afrika angeführt. Nicht nur die Fregatten, sondern auch die großen Versorgungseinheiten kommen hier zum Einsatz. Über Versorgungsmanöver in See zur Kraftstoff- bzw. Materialübergabe wird die Langfristigkeit und globale Weiträumigkeit der Einsätze sichergestellt.

Zusätzlich zu den Einsatzverpflichtungen ihrer Schiffe gewährleistet die Einsatzflottille 2 ebenfalls die Teilnahme an NATO-Verbänden sowie nationalen und multinationalen Manövern. Damit liefert die Flottille mit ihren Schiffen und Besatzungen permanent maritime Einsatzfähigkeit. Durch diese Präsenz leistet die Einsatzflottille 2 einen nachhaltigen Beitrag zum Einsatzprofil unserer Streitkräfte.

Struktur der Einsatzflottille 2

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurden der Einsatzflottille 2, wie auch ihrer Schwesterflottille in Kiel, weitere Aufgaben zugeordnet. In beiden Flottillen, die direkt dem Marinekommando in Rostock unterstellt sind, wurden durchgreifende strukturelle Veränderungen vollzogen. Die ursprüngliche Aufgliederung der Einsatzflottille 2 in drei Geschwader ist dabei erhalten geblieben: das 2. Fregattengeschwader mit Fregatten der „Brandenburg“- und „Sachsen“-Klasse, das 4. Fregattengeschwader mit Fregatten der „Bremen“-Klasse und das Trossgeschwader mit Einsatzgruppenversorgern und weiteren Hilfsschiffen, die teilweise zivil besetzt sind. Die Stabsorganisation der Flottille wurde einsatzorientiert umstrukturiert. Zum einen wurde ein Einsatzstab geschaffen. Dieser ist für die Planung und Vorbereitung von Einsätzen zuständig. Auch die taktische Führung eines Verbandes in See an Bord eines Flaggschiffes kann durch diesen Stab wahrgenommen werden. Zum anderen gehen Aufgaben des aufgelösten Flottenkommandos in die neu konfigurierte Abteilung Operation in der Einsatzflottille 2 über.

Ein computeranimiertes Modell der neuen Fregatte BADEN-WÜRTTEMBERG in See.

Fregattenklasse 125 (Quelle: © 2011 Bundeswehr / ThyssenKrupp Marine Systems AG)Größere Abbildung anzeigen

Neue Schiffe - Neue Konzepte

In den nächsten Jahren werden die Fregatten der „Bremen“-Klasse durch Fregatten der neuen „Baden-Württemberg“-Klasse (F 125) ersetzt. Weiterhin ist ein Mehrzweckkampfschiff der Klasse 180 geplant, ein Pilotprojekt des novellierten Rüstungs- und Ausrüstungsprozesses ‚Customer Product Management – CPM‘. Mit den neuen Schiffen passt sich die Marine den derzeitigen und zukünftig zu erwartenden Einsatzszenarien an. Diese Schiffe sind technisch so konzipiert, dass sie bis zu zwei Jahre lang im Einsatzgebiet verweilen können, ohne dass eine Werftinstandsetzung oder eine Rückkehr zum Heimathafen notwendig ist.

Mit dieser Innovation und der Möglichkeit der Intensivnutzung der Schiffe wird ein Mehrbesatzungsmodell eingeführt. Ein Schiff wird somit mehrere Besatzungen haben, die sich im Einsatzgebiet abwechseln können. Landgestützte Elemente zur administrativen und technisch-logistischen Unterstützung sowie eine geringere Besatzungsstärke werden die personelle Durchhaltefähigkeit der zukünftigen schwimmenden Einheiten der Flottille sicherstellen. Vor diesem Hintergrund wurden vor allem in den Bereichen Personal, Ausbildung und Logistik Umstrukturierungen vorgenommen.

Personal, Logistik, Ausbildung

Die bisherige Abteilung Personal/Logistik wurde in zwei eigene Abteilungen aufgegliedert. Zum einen in die Abteilung Personal und Einsatzausbildung. Neben der in See stattfindenden Ausbildung spielt auch die Ausbildung in Wilhelmshaven eine wichtige Rolle. Zukünftig werden sich die Besatzungen im Einsatzgebiet abwechseln und sind nicht mehr dauerhaft an ein Schiff gebunden. Dies wird zu Verringerung der Abwesenheitstage der Soldaten führen und somit die Vereinbarkeit von Familie und Dienst erleichtern. Zum anderen wurde die Logistiklandschaft neu gestaltet.

Die Abteilung Logistik und technische Einsatzunterstützung soll die Besatzungen und Schiffe durch Unterstützung von Land entlasten. Zentralisiert wird diese Abteilung für alle Schiffe die Materialverantwortung und -bewirtschaftung übernehmen. Zusätzlich wird zukünftig eine ‚Werftgruppe‘ die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Instandsetzungen und Werftliegezeiten für alle Schiffe übernehmen.


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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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