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Blog über infanteristische Basisausbildung

Die gemeinsame Laufbahn führte die jungen Offizieranwärter nach einem Jahr an der Marineschule in Flensburg an den Standort der Marinetechnikschule in Parow, Mecklenburg-Vorpommern. Hier werden sie in den nächsten Wochen in der 9. Inspektion, einem ausgelagerten Teil der Marineunteroffizierschule Plön, das infanteristische Basishandwerk erlernen.


Grün, grün, grün ist alles – wirklich alles

Seekadett Caroline-Antonia Lindner ist im hohen Gras in Deckung gegangen.

Aus dem Gelände heraus ist der Blick ein anderer (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die ersten Tage der Infanteristischen Basis waren für alle eine große Umstellung. Nicht nur der erste Umgang mit Handfeuerwaffen, sondern auch die praktische infanteristische Ausbildung stellten an uns neue Herausforderungen. So waren wir zwei Tage im Biwak auf dem nahegelegenen Standortübungsplatz.

Dort lernten wir grundlegende Dinge, wie zum Beispiel verschiedene Feuerarten, das Aufschlagen eines Gruppenplatzes, aber auch das Ausheben einer Stellung. Am Spannendsten war dabei für uns das Üben des geleiteten Feuerkampfes. Einige machten auch zum ersten Mal die Erfahrung wie es ist eine Waffe abzufeuern, auch wenn wir nur Übungsmunition benutzten. Die gefechtsmäßige Befehlsausgabe vor Ort ließ die Situation noch realistischer wirken.

Schweißtreibend war für viele von uns die Ausbildung der Bewegungsarten, bei der wir uns kreuz und quer, kriechend, rennend oder gleitend über den Standortübungsplatz bewegten.

Ein weiterer Höhepunkt war die Übung Sehen und Hören bei Nacht, bei der uns vor Augen geführt wurde, wie laut wir sind und wie auffällig selbst Dienstgradabzeichen sein können.

Am Ende der Übung haben wir uns alle sehr über eine heiße Dusche und saubere Kleidung gefreut und auch die Salbe gegen Mückenstiche fand reißenden Absatz. Die Tarnschminke vom Körper zu bekommen gestaltete sich ebenfalls schwierig. So schwierig, dass ein Kamerad immer noch eine leicht grün schimmernde Glatze hat.

Das neu erlernte Wissen über den Umgang mit Handfeuerwaffen konnten wir dann in der Wachausbildung nutzen und vertiefen. Ein Teil unserer Kameraden legte diese Woche sogar schon die Wach ATN ab. Das ist eine Art Zeugnis dafür, dass ein Soldat Wache gehen darf.

Die Schießausbildung im Simulator folgt dann nächste Woche.

G36 zerlegen, zusammensetzen, zerlegen, zusammensetzen…

Gefechtsanzug angelegt: Entschlossen visiert Seekadett Schattauer das Ziel mit der P8 an.

Das neue Schießausbildungskonzept in der Praxis (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem wir letzte Woche bereits ersten Kontakt mit dem Gewehr G36 hatten, widmeten wir uns diese Woche ganz und gar der Schießausbildung. Neben dem G36 stand auch die Ausbildung an der Pistole P8 im Vordergrund. Hierbei waren wir unter anderem draußen im Feld und lernten die richtige Körperhaltung beim Umgang mit Waffen. Man unterscheidet zwischen drei Positionen die der Bedrohungslage angepasst sind und zwischen denen man hin und herwechselt. Sie nennen sich Patrouillen-, Einsatz- und Kontaktstellung. Die Kontaktstellung war dabei für die meisten von uns mit der P8 deutlich angenehmer, da man die Waffe ausgestreckt nach vorne hält und diese Position mit dem G36 auf Dauer wirklich anstrengend wird.

Trotzdem hat auch die P8 ihre Tücken. So fiel es den Kameraden mit großen Händen beim Zerlegen besonders schwer einige Kleinteile von der P8 zu lösen, um sie weiter zerlegen zu können. Denjenigen mit kleinen Händen viel es im Gegenzug schwerer den Abzug zu betätigen. So hielt die P8 wirklich für jeden eine Herausforderung bereit.

Die Handhabung des G36 empfanden hingegen viele von uns als einfacher, da der Abzug leichter zu betätigen ist und durch den Trageriemen mehr Stabilität beim Halten der Waffe entsteht. Auch das Zerlegen war einfacher, da das G36 aus größeren Einzelteilen besteht. Nur der Verschluss hat sich als trickreich entpuppt, da man diesen noch in sehr filigrane Bauteile zerlegen kann.

Wenn man nun aber denkt, dass das Zerlegen einer Waffe mit verbundenen Augen schon eine Herausforderung ist, dann ist man noch nicht in den Genuss gekommen, das Ganze auf dem Bauch liegend, mit dem Gewehr auf dem Rücken durchzuführen. Doch diese ständigen Wiederholungen sind wichtig, um die korrekten Abläufe zu verinnerlichen und dadurch Handlungssicherheit, vor allem in Stresssituationen, zu erlangen. Denn in einem realen Feuergefecht muss jeder Handgriff sitzen und die Vorgänge müssen automatisch ablaufen.

Griff an den Gehörschutz: Seekadett Kathöfer beim Schuss mit der Signalpistole.

Seekadett Kathöfer beim Schuss mit der Signalpistole (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Wie wenig Zeit einem zum Nachdenken bleibt, erfuhren wir dann im Schießsimulator. Dort konnten wir das trocken Gelernte umsetzen und kamen dem richtigen Schießen auf der Schießbahn ein Stück näher. Wir schossen nicht nur auf virtuelle Zielscheiben, sondern konnten auch in realitätsnahen Übungen miteinander agieren und sich bewegende Ziele bekämpfen, die auf eine große Leinwand projiziert werden.

Für alle stellte der Schießsimulator ohne Frage ein Highlight der Woche dar, doch auch das Schießen der Signalpistole, kurz SigPi, begeisterte viele von uns. Die Signalpistole dient dem Übermitteln von verschiedenen Botschaften, nicht nur bei der Bundeswehr, sondern auch in der zivilen Seefahrt. Man kann mit der Signalpistole aber auch ein Gefechtsfeld beleuchten, um mögliche Feinde aufzuklären und nachts leichter zu bekämpfen. Alle Signale unterschieden sich dabei in Farbe und Art. So gibt es zum Beispiel einige Signale, die an einem kleinen Fallschirm nach unten segeln, um die Dauer ihres Leuchtens zu erhöhen. Im Gegensatz zu den Waffen im Schießsimulator ist der Rückstoß aufgrund der Kalibergröße deutlich größer, was bei einigen für einen kurzen Moment des Erschreckens gesorgt hat.

Insgesamt war die Woche für alle sowohl lehrreich als auch spannend. Die sich immer wiederholenden Übungen förderten zwar nicht immer die Motivation, doch wurde uns stets anschaulich vermittelt, wofür wir sie brauchen. Auch spürten wir schnell selbst, dass die vielen Wiederholungen Sinn ergeben, da wir mit jedem Durchgang sicherer im Umgang mit den Waffen wurden, was wiederum für bessere Laune sorgte. Den Erfahrungsberichten der Ausbilder aus den Einsätzen in den Pausen zu lauschen, brachte uns darüber hinaus vieles von dem Gelernten noch näher und wir lernten praktisch „aus der Praxis für die Praxis“.

Nächste Woche erfolgt dann die Ausbildung auf der Schießbahn.

Ein Schuss, kein Treffer

Blick von der Seite auf die Schießbahn - Der Schuss bricht auf Kommando.

Der Schuss bricht auf Kommando (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem wir die gesamte letzte Woche Trockenübungen an der Waffe widmeten, verbrachten wir diese Woche ausschließlich auf der Standortschießanlage. Den Anfang machte dabei die Justierung des G36, bei der wir die Visiereinrichtung so einstellten, dass wir optimal treffen konnten. Das klingt erst einmal schwierig, aber im Prinzip zieht man mit einem kleinen Inbusschlüssel nur ein paar Mal an einer Schraube. Schon geht der Schuss ins Schwarze.

Mit einem gut eingestellten Gewehr ging es dann an die ersten Übungen. Dabei schossen wir aus unterschiedlichen Entfernungen auf Zielscheiben. Diese sind in verschiedene Zonen eingeteilt. Sie bezeichnen dabei die verschiedenen Körperbereiche. Die größte Zone ist die Bravo-Zone, die für den Oberkörper steht. Stellt man sich nun einen durchschnittlich großen Oberkörper vor, dürfte das Treffen ja nicht schwer sein. Doch die „Oberkörper“ auf den Zielscheiben sind eher eine Miniaturversion, was das Treffen hin und wieder erschwerte. Um einen Feind richtig zu bekämpfen, schießen wir nach dem „Neuen Schießausbildungskonzept“ (kurz nSAK) mit einem Doppelschuss in die Bravo-Zone. Sollte dies als Wirkung nicht ausreichen, folgt ein Nachschuss in die Charlie-Zone, den Beckenbereich. Nach jedem abgegebenen Doppelschuss führen wir den taktischen Ablauf durch. Dabei beobachten wir das hintere Gefechtsfeld und ändern anschließend die Position um wenige Schritte zur Seite.

Ziel ist anvisiert - Seekadett Schattauer beim Schießen mit der P8.

Seekadett Schattauer beim Schießen mit der P8 (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Ähnliche Übungen legten wir mit der Pistole P8 ab. Der schwierigeren Handhabung der Waffe war es geschuldet, dass manche Kameraden einige Übungen mehrfach absolvieren mussten, bevor sie diese bestanden. Nicht nur die drückende Hitze, auch das Zielen über Kimme und Korn war verantwortlich für diesen holprigen Start. Je öfter wir übten, desto souveräner und schneller wurden wir im Umgang mit der Waffe. Die Sicherheit im Umgang mit der P8 und dem G36 gehört dabei nicht nur zu den Grundfertigkeiten, die jeder Soldat können muss. Sie ist auch wichtig, damit wir militärische Wache gehen dürfen.
Doch nicht nur die reine Schussabgabe gehört zu unserer Schießausbildung. Wir besetzen zusätzlich Posten, um für die Sicherheit im Umkreis des Schussbereiches zu sorgen. Neben der Aufgabe als Sanitätshelfer beobachten wir das Umfeld, um sicherzustellen, dass weder unschuldige Jogger oder Tiere zu Schaden kommen. In den Schießpausen sammelten wir nicht nur neue Kräfte in Gesprächen mit Kameraden, wir frischten auch unsere Kenntnisse in der ABC-Abwehr auf . Hierbei testeten wir auch die Dichtigkeit unserer Schutzmasken. Dies stellte gerade bärtige Kameraden vor ungeahnten Herausforderungen, da die Maske durch den Bart nicht richtig mit dem Gesicht abschloss. Die Lösung hierfür: Vaseline.
Nebenbei hatten wir während des morgendlichen und abendlichen Marsches zur und von der Standortschießanlage die Möglichkeit, unsere Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen und auszubauen. Es wurden fiktive Verletzungen von Kameraden eingespielt. Diese Herausforderungen boten eine besondere Abwechslung. Es galt die Verletzten mit einer Trage zur Kaserne zu transportieren. Alles in allem war die Woche zwar anstrengend, aber mindestens genauso spannend und erlebnisreich wie das Erlebte zuvor. Nächste Woche folgt dann der 21 Kilometer Abschlussmarsch.

Humpeln ist keine Bewegungsart

Abknien und Besprechen: Seekadett Kathöfer weist auf die Marschstrecke ein.

Seekadett Kathöfer erklärt die Marschstrecke (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Tatsächlich haben wir es alle geschafft. Nach fünf Wochen endet unsere Infanteristische Basis in Parow. Mit einem großen Abschlussmarsch besiegeln wir unsere Zeit in der 9. Inspektion der Marineunteroffizierschule.

Mit je 15 Kilogramm schweren Rucksäcken und der dazugehörigen etwa 5 Kilogramm schweren Koppel stand uns der 21 Kilometer Marsch quer durch die vorpommersche Landschaft bevor. Ein Bus setzte uns zunächst irgendwo im Nirgendwo ab. Dann wurden wir mit Karte und Kompass ausgestattet und auf den Heimweg in die Kaserne nach Parow geschickt. Damit wir nicht wie Hänsel und Gretel den Brotkrumen folgen mussten, lernten wir am Vortag den Umgang mit Karte und Kompass. Das half leider nicht bei allen. Eine Gruppe verirrte sich und machte einen Umweg von fast 5 Kilometern.

Früher oder später kamen jedoch alle wieder in der Kaserne an. Das Ausziehen der durchschwitzten Uniform und das anschließende Duschen waren für alle eine Wohltat und kam einem Kurzurlaub gleich. Alle Blasen wurden abgeklebt und die Wunden versorgt. Danach gab es Mittagessen. Frisch gestärkt machten wir uns schließlich daran, unser Zugfest vorzubereiten. Das Grillen mit allen Lehrgangsteilnehmern und den Ausbildern war ein schöner Abschluss für diesen Ausbildungsabschnitt in unserer jungen Offizierskarriere. Bei Bier und Kartoffelsalat tauschten wir uns über die nächsten geplanten Ausbildungsgänge aus. Einige von uns werden Gruppenführerpraktika an den verschiedenen Standorten der Marine durchführen, während andere ihren ersten Dienstposten in der Flotte antreten werden.

Drei Offizieranwärter unter sich: Die fleißigen Schreiberlinge verabschieden sich vom Blog.

Die fleißigen Schreiberlinge verabschieden sich vom Blog (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Unser Fazit: Die Ausbildung war zwar fordernd, aber sie hat viel Spaß gemacht. Wir danken allen Ausbildern und Beteiligten, die uns die letzte Zeit über begleitet haben und wünschen dem 2. Törn eine schöne Infanteristische Basis.








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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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